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Lavendel schneiden wann und wie viel

Lavendel schneiden wann und wie viel

in Ratgeber
Lesedauer: 11 min.

Lavendel zählt zu den Pflanzen, bei denen ein regelmäßiger Rückschnitt entscheidend über Aussehen, Blühfreude und Lebensdauer bestimmt. Bleibt der Schnitt über mehrere Jahre aus, verholzt der Halbstrauch zunehmend von unten, wächst auseinander und bildet seine Blüten vor allem an den äußeren Triebenden. Ein gut gepflegter Lavendel entwickelt dagegen einen kompakten, dicht verzweigten Aufbau und bringt jedes Jahr zahlreiche neue Blütentriebe hervor.

Die wichtigste Frage lautet deshalb nicht nur, wann Lavendel geschnitten werden sollte, sondern auch, wie viel entfernt werden darf. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt, das Alter der Pflanze, den Verholzungsgrad und die Schnittführung an. Besonders entscheidend ist die Grenze zwischen jungen, noch belaubten Trieben und altem, weitgehend kahlem Holz. Ein zu vorsichtiger Schnitt fördert langfristig die Verkahlung, während ein radikaler Rückschnitt in altes Holz erhebliche Schäden verursachen kann.

Wann sollte Lavendel geschnitten werden?

Für einen dauerhaft kompakten Lavendel haben sich zwei Schnittzeitpunkte bewährt. Der wichtigste Rückschnitt erfolgt im Frühjahr, wenn stärkere Dauerfröste weitgehend vorüber sind und der neue Austrieb bevorsteht oder gerade beginnt. Ein zweiter, deutlich leichterer Schnitt kann nach der Hauptblüte im Sommer vorgenommen werden.

Der Frühjahrsschnitt ist besonders wichtig, weil sich damit der Aufbau des gesamten Strauchs korrigieren lässt. Über den Winter stehen gelassene Triebe bieten der Pflanze zunächst einen gewissen natürlichen Schutz. Würde Lavendel bereits im Herbst kräftig zurückgeschnitten, könnten frische Schnittstellen und neu angeregte Triebe stärker unter Frost und winterlicher Feuchtigkeit leiden. Ein umfassender Herbstschnitt ist deshalb in Regionen mit kalten Wintern keine gute Wahl.

Der genaue Zeitpunkt im Frühjahr richtet sich weniger nach einem festen Kalendertag als nach der Witterung. In milden Gegenden kann der geeignete Zeitraum früher beginnen, während in kühleren oder höher gelegenen Regionen länger gewartet werden sollte. Entscheidend ist, dass keine ausgeprägten Frostperioden mehr zu erwarten sind. Einzelne kalte Nächte sind anders zu beurteilen als länger anhaltender strenger Frost.

Beim Sommerschnitt liegt der Schwerpunkt nicht auf einer starken Formkorrektur. Hier werden hauptsächlich verblühte Blütenstände zusammen mit einem Teil der jungen Triebe entfernt. Dadurch bleibt die Pflanze ordentlich und kompakt. Unter günstigen Bedingungen kann anschließend noch einmal ein frischer Austrieb entstehen.

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Wie viel Lavendel darf im Frühjahr abgeschnitten werden?

Beim Frühjahrsschnitt darf Lavendel deutlich stärker gekürzt werden als nach der Blüte. Bei gesunden, regelmäßig gepflegten Pflanzen kann ungefähr ein Drittel bis etwa die Hälfte des grünen beziehungsweise noch sicher austriebsfähigen Triebmaterials entfernt werden. Starre Zentimeterangaben sind weniger sinnvoll, weil kleine Jungpflanzen und große ältere Exemplare völlig unterschiedliche Ausgangsgrößen besitzen.

Entscheidend ist die verbleibende Vegetation. An den gekürzten Trieben sollten noch grüne Blätter beziehungsweise eindeutig lebende junge Bereiche vorhanden sein. Lavendel besitzt zwar verholzende Triebe, reagiert aber nicht zuverlässig auf einen radikalen Rückschnitt bis weit in völlig kahles Altholz. Werden sämtliche grünen Austriebspunkte eines Astes entfernt, besteht das Risiko, dass dieser Bereich nicht mehr austreibt.

Ein typischer Frühjahrsschnitt beginnt deshalb mit einer genauen Betrachtung der Pflanze. Trockene, abgestorbene oder offensichtlich beschädigte Triebe können vollständig entfernt werden. Die übrigen Zweige werden gleichmäßig eingekürzt, sodass eine kompakte, leicht rundliche Form entsteht. Besonders lange Triebe dürfen stärker gekürzt werden, solange ausreichend lebendes Material erhalten bleibt. Wissenswerte Tipps zur richtigen Schnittführung können dabei helfen, die Grenze zwischen einem kräftigen Formschnitt und einem zu tiefen Rückschnitt besser einzuschätzen.

Bei einer Pflanze, die jedes Jahr konsequent geschnitten wurde, ist diese Arbeit unkompliziert. Schwieriger wird es bei älteren, stark verholzten Exemplaren. Dort darf die gewünschte Endform nicht dazu verleiten, sämtliche überstehenden Äste auf einmal bis ins kahle Holz zurückzunehmen. Eine optisch perfekte Kugel nützt wenig, wenn anschließend große Teile der Pflanze nicht mehr austreiben.

Lavendel nach der Blüte schneiden

Der zweite Schnitt erfolgt nach der Hauptblüte, sobald ein großer Teil der Blütenstände verblüht ist. Dieser Sommerschnitt fällt wesentlich moderater aus als der Rückschnitt im Frühjahr. Entfernt werden die verblühten Blütenstiele einschließlich eines kleinen Abschnitts des darunterliegenden grünen Triebs.

Als Orientierung kann ungefähr das obere Drittel des aktuellen, weichen Wachstums zurückgenommen werden. Entscheidend bleibt auch hier der Zustand der einzelnen Triebe. Der Schnitt sollte deutlich oberhalb der alten, kahlen und stark verholzten Pflanzenbasis enden.

Das Entfernen verblühter Blütenstände hat mehrere Vorteile. Die Pflanze investiert weniger Energie in die Ausbildung von Samen und kann stattdessen neue Triebe und Blätter entwickeln. Gleichzeitig wird verhindert, dass einzelne lange Blütenstiele den Strauch zunehmend auseinanderziehen. Regelmäßig geschnittener Lavendel behält dadurch seine typische kompakte Form.

Ein Sommerschnitt darf allerdings nicht mit einem radikalen Verjüngungsschnitt verwechselt werden. Je später die Saison fortgeschritten ist, desto vorsichtiger sollte gearbeitet werden. Ein starker später Rückschnitt kann neuen Austrieb fördern, der vor kalter Witterung nicht mehr ausreichend ausreift.

Soll Lavendel gezielt Samen bilden oder sich versamen, können einzelne Blütenstände stehen bleiben. Für die reine Formpflege ist das vollständige Entfernen der verblühten Blütenstände dagegen meist sinnvoller.

Warum Lavendel regelmäßig geschnitten werden muss

Lavendel ist botanisch kein klassischer krautiger Sommerblüher, der jedes Jahr vollständig aus dem Boden neu austreibt. Viele als Gartenlavendel kultivierte Arten und Sorten wachsen als verholzende Halbsträucher. Junge Triebe sind zunächst weich und grün, während ältere Bereiche zunehmend fest und holzig werden.

Genau daraus entsteht das typische Pflegeproblem. Ohne Rückschnitt verlängern sich die Triebe von Jahr zu Jahr. Die grünen und blühenden Bereiche befinden sich zunehmend an den äußeren Enden, während das Innere und die Basis verkahlen. Durch das Gewicht der langen Zweige kann der Strauch schließlich auseinanderfallen. In der Mitte entsteht eine offene, braune Zone.

Regelmäßiges Schneiden begrenzt diese Entwicklung. Durch die Kürzung der jungen Triebe wird eine stärkere Verzweigung gefördert. Statt weniger langer Äste entstehen zahlreiche kürzere Seitentriebe. Das Ergebnis ist ein dichterer und stabilerer Pflanzenaufbau.

Der Schnitt sollte deshalb bereits bei jungen Pflanzen beginnen. Häufig wird angenommen, ein kleiner Lavendel müsse zunächst mehrere Jahre ungehindert wachsen. Für einen dauerhaft kompakten Aufbau ist das ungünstig. Ein frühzeitig und regelmäßig zurückgeschnittener Lavendel entwickelt bereits an der Basis eine stärkere Verzweigung.

Ein Rückschnitt kann vorhandene Verholzung allerdings nicht vollständig rückgängig machen. Sobald ein alter Lavendel über viele Jahre ungeschnitten geblieben ist und nur noch an den Triebspitzen Grün trägt, wird eine Verjüngung deutlich schwieriger.

Lavendel richtig schneiden: Schritt für Schritt

Vor dem Schnitt wird die gesamte Pflanze betrachtet. Zunächst sollten abgestorbene Bereiche erkannt werden. Trockene Triebe wirken häufig grau oder braun, sind spröde und zeigen keine lebenden Blätter oder Knospen. Bei Unsicherheit kann ein Trieb vorsichtig geprüft werden. Unter der äußeren Rinde eines lebenden Zweigs ist noch vitales Gewebe vorhanden, während vollständig abgestorbenes Holz trocken erscheint.

Anschließend wird die spätere Form festgelegt. Lavendel entwickelt sich besonders gleichmäßig, wenn er leicht halbkugelig beziehungsweise rundlich geschnitten wird. Diese Form verhindert, dass einzelne Randtriebe übermäßig lang werden und sich unter dem Gewicht der Blüten nach außen legen.

Geschnitten wird mit einer scharfen, sauberen Gartenschere oder bei größeren Beständen mit einer geeigneten Heckenschere. Quetschende, stumpfe Klingen erzeugen unnötig ausgefranste Schnittstellen. Bei einzelnen Pflanzen ermöglicht eine Gartenschere die genauere Kontrolle über die Grenze zum alten Holz.

Die äußeren Triebe werden anschließend gleichmäßig zurückgenommen. Statt jeden Zweig exakt auf dieselbe Länge zu bringen, orientiert sich der Schnitt an der natürlichen Wuchsform. In der Mitte dürfen die Triebe etwas höher bleiben, an den Seiten entsprechend kürzer. Dadurch entsteht eine harmonische Kuppelform.

Nach dem Schnitt sollte noch deutlich lebendes, belaubtes Material vorhanden sein. Dieser Punkt ist wichtiger als jede pauschale Regel zur Schnittmenge.

Der richtige Schnitt bei jungen Pflanzen

Junger Lavendel verträgt eine konsequente Formpflege besonders gut, weil noch kaum dickes, kahles Altholz vorhanden ist. Lange Jungtriebe werden zurückgenommen, damit sie sich stärker verzweigen. Auch wenn dadurch zunächst Pflanzenmasse verloren geht, entsteht langfristig ein dichterer Strauch.

Die regelmäßige Pflege verhindert, dass sich bereits früh wenige dominante Hauptäste entwickeln. Gerade bei Lavendelhecken und Einfassungen ist dieser Aufbau entscheidend. Werden Jungpflanzen mehrere Jahre nur wachsen gelassen, lässt sich eine gleichmäßige niedrige Form später wesentlich schwerer herstellen.

Darf Lavendel bis ins alte Holz geschnitten werden?

Ein tiefer Schnitt in altes, kahles Lavendelholz gehört zu den häufigsten Ursachen für dauerhaft kahle Stellen. Die Pflanze besitzt im älteren Holz nicht dieselbe zuverlässige Regenerationsfähigkeit wie manche anderen Gehölze. Deshalb sollte nicht davon ausgegangen werden, dass ein stark gekürzter alter Ast automatisch wieder vollständig austreibt.

Die sichere Schnittgrenze befindet sich dort, wo noch lebende Blätter oder eindeutig vitale junge Austriebe vorhanden sind. Besonders bei älteren Pflanzen ist genaues Arbeiten besser als ein pauschaler Schnitt mit der Heckenschere.

Eine gewisse Differenzierung ist dennoch erforderlich. Nicht jedes braun wirkende Stück eines Lavendeltriebs ist automatisch tot. Die Zweige verholzen natürlicherweise, können aber oberhalb oder teilweise auch entlang des verholzten Abschnitts noch lebende Austriebspunkte besitzen. Entscheidend ist deshalb der tatsächliche Zustand des jeweiligen Triebs.

Bei einem stark vergreisten Lavendel sollte eine Verjüngung vorsichtig erfolgen. Statt die gesamte Pflanze in einem Arbeitsgang drastisch zu verkleinern, können einzelne Bereiche moderater zurückgenommen und die Reaktion beobachtet werden. Trotzdem gibt es keine Garantie, dass ein jahrelang vernachlässigter Strauch wieder eine vollständig geschlossene Form entwickelt.

Ist die Basis großflächig kahl, die Pflanze stark auseinandergebrochen und Grün nur noch an langen äußeren Zweigen vorhanden, kann eine Neupflanzung sinnvoller sein als ein riskanter Radikalschnitt.

Stark verholzten Lavendel retten

Ein alter Lavendel mit langen, holzigen Ästen stellt einen Sonderfall dar. Der häufigste Fehler besteht darin, die Pflanze einfach auf die ursprünglich gewünschte Größe zurückzuschneiden. Dabei würde möglicherweise nahezu das gesamte belaubte Material entfernt.

Zunächst sollte geprüft werden, welche Äste noch gesund sind und wo sich junge Seitentriebe befinden. Diese grünen Bereiche bestimmen die mögliche Schnittgrenze. Abgestorbene Äste können entfernt werden. Lebende, stark verholzte Äste werden dagegen nur so weit gekürzt, dass ausreichend vitales Material verbleibt.

Eine schrittweise Verbesserung der Form benötigt Geduld. Manche älteren Pflanzen reagieren noch erstaunlich gut, andere treiben aus stark verholzten Bereichen kaum noch aus. Alter, Sorte, Standort, bisherige Pflege und Vitalität beeinflussen das Ergebnis.

Besonders problematisch sind Pflanzen, die zusätzlich unter ungünstigen Standortbedingungen leiden. Lavendel benötigt einen gut drainierten Boden und reagiert empfindlich auf länger anhaltende Staunässe. Ein schwacher, durch Wurzelschäden beeinträchtigter Strauch verkraftet starke Schnittmaßnahmen schlechter als eine kräftige Pflanze an einem passenden Standort.

Bei sehr alten Exemplaren sollte deshalb nicht jeder kahle Bereich als reines Schnittproblem betrachtet werden. Schlechte Drainage, Lichtmangel oder dauerhaft ungünstige Bodenbedingungen können ebenfalls zu schwachem Wachstum beitragen.

Lavendel im Herbst schneiden oder stehen lassen?

Nach einem warmen Sommer kann Lavendel im Herbst noch kräftig und schnittbedürftig erscheinen. Ein starker Rückschnitt zu diesem Zeitpunkt ist dennoch meist ungünstig. Das Problem besteht weniger in der Schnittwunde selbst als in der möglichen Reaktion der Pflanze. Ein kräftiger Schnitt kann neuen Austrieb anregen. Dieses junge Gewebe hat vor Frostperioden möglicherweise nicht genügend Zeit, vollständig auszureifen.

Deshalb wird der wesentliche Formschnitt auf das Frühjahr verschoben. Über den Winter darf die Pflanze weitgehend in ihrer bestehenden Form bleiben. Das gilt besonders für Gegenden mit ausgeprägten Frostperioden.

Eine Ausnahme bilden kleinere Korrekturen. Einzelne beschädigte, abgebrochene oder störende Pflanzenteile können entfernt werden, sofern dies erforderlich ist. Ein umfassender Rückschnitt sollte daraus jedoch nicht entstehen.

Auch verblühte Blütenstände müssen nicht zwangsläufig spät im Jahr noch entfernt werden. Wurde der optimale Zeitpunkt für den Sommerschnitt deutlich verpasst, ist Zurückhaltung meist besser als ein verspäteter starker Eingriff.

Der richtige Schnittzeitpunkt hängt somit immer auch von den örtlichen Bedingungen ab. Ein starres Datum kann die tatsächliche Wetterentwicklung nicht ersetzen.

Unterschiede zwischen Lavendelarten beim Schneiden

Nicht jeder als Lavendel angebotene Strauch reagiert identisch auf Schnitt und Winterbedingungen. Besonders verbreitet ist der Echte Lavendel, Lavandula angustifolia. Daneben werden unter anderem Lavandin-Hybriden sowie Schopflavendel kultiviert.

Lavandin wächst häufig kräftiger und kann größere Sträucher entwickeln. Die Grundidee des regelmäßigen Rückschnitts bleibt dennoch ähnlich: Junge Triebe werden gekürzt, eine kompakte Form wird erhalten und ein radikaler Schnitt in kahle alte Bereiche vermieden.

Schopflavendel benötigt etwas mehr Aufmerksamkeit, weil er unter mitteleuropäischen Bedingungen deutlich frostempfindlicher sein kann. Exemplare in Gefäßen werden häufig geschützt überwintert. Dadurch verschieben sich teilweise auch Wachstums- und Schnittbedingungen gegenüber robustem Gartenlavendel.

Bei unbekannter Sorte ist deshalb ein vorsichtiger Schnitt sinnvoll. Die sichtbare Grenze zwischen jungem Austrieb und altem Holz liefert eine verlässlichere Orientierung als eine pauschale Zentimeterangabe.

Lavendel im Topf schneiden

Lavendel im Kübel wird nach denselben biologischen Prinzipien geschnitten wie ein ausgepflanztes Exemplar. Der begrenzte Wurzelraum kann allerdings dazu führen, dass Pflegefehler schneller sichtbar werden.

Der Frühjahrsschnitt sollte an den tatsächlichen Austrieb und die Überwinterungsbedingungen angepasst werden. Stand die Pflanze geschützt, kann die Entwicklung früher beginnen als bei einem Lavendel im Freiland. Gleichzeitig müssen mögliche Frostschäden zunächst eindeutig von noch ruhenden Trieben unterschieden werden.

Nach dem Rückschnitt ist ein heller, sonniger Standort entscheidend. Ebenso wichtig bleibt ein durchlässiges Substrat mit funktionierendem Wasserabzug. Ein sauber geschnittener Lavendel entwickelt sich nicht zufriedenstellend, wenn seine Wurzeln dauerhaft nass stehen.

Häufige Fehler beim Lavendelschnitt

Einer der häufigsten Pflegefehler ist der vollständige Verzicht auf einen regelmäßigen Schnitt. Anfangs fällt dies kaum auf, weil junge Pflanzen auch ungeschnitten attraktiv wachsen und reich blühen können. Nach einigen Jahren wird die Basis jedoch zunehmend holzig, während sich die Krone nach außen verlagert.

Das andere Extrem ist ein zu tiefer Rückschnitt. Wird alter Lavendel ähnlich wie ein stark regenerationsfähiger Zierstrauch behandelt und bis auf kurze kahle Stummel zurückgeschnitten, können ganze Triebe ausfallen.

Auch ein ausschließliches Abschneiden der Blütenstiele ist auf Dauer nicht ausreichend. Werden immer nur die vertrockneten Blüten entfernt, verlängert sich das darunterliegende Triebgerüst trotzdem weiter. Der Sommerschnitt sollte deshalb einen kleinen Teil des grünen Austriebs einschließen.

Ein weiterer Fehler ist ein starker Herbstschnitt. Besonders in frostgefährdeten Lagen erhöht ein später kräftiger Eingriff das Risiko, dass empfindlicher neuer Austrieb in ungünstige Witterung gerät.

Problematisch sind außerdem stumpfe Werkzeuge. Saubere Klingen ermöglichen präzisere Schnitte und verhindern unnötige Quetschungen. Vor allem bei älteren, härteren Trieben macht sich eine hochwertige, scharfe Gartenschere deutlich bemerkbar.

Was nach dem Schneiden zu beachten ist

Ein korrekt geschnittener Lavendel benötigt normalerweise keine aufwendige Nachbehandlung. Schnittflächen müssen nicht versiegelt werden. Entscheidend sind vielmehr passende Wachstumsbedingungen.

Lavendel bevorzugt viel Licht und einen Boden, aus dem überschüssiges Wasser schnell abfließen kann. Übermäßiges Gießen und sehr nährstoffreiche Düngung können zu weichem, mastigem Wachstum führen. Dadurch verliert die Pflanze leichter ihre kompakte Form.

Nach dem Frühjahrsschnitt zeigt sich mit zunehmendem Austrieb, welche Zweige vital geblieben sind. Einzelne eindeutig abgestorbene Bereiche können später noch entfernt werden. Eine sofortige zweite starke Korrektur ist dagegen selten erforderlich.

Nach dem Sommerschnitt kann die Pflanze bei günstigen Bedingungen neue Triebe entwickeln. Ob eine ausgeprägte zweite Blüte entsteht, hängt von Art, Sorte, Klima, Standort und Zeitpunkt des Rückschnitts ab. Eine Nachblüte sollte deshalb nicht als garantiertes Ergebnis betrachtet werden.

FAQ zum Schneiden von Lavendel

Was passiert, wenn Lavendel gar nicht geschnitten wird?

Ungeschnittener Lavendel verholzt zunehmend und bildet sein grünes Wachstum immer weiter außen an den Trieben. Dadurch verliert der Strauch seine kompakte Form und kann in der Mitte verkahlen oder auseinanderfallen. Die Pflanze stirbt deshalb nicht zwangsläufig sofort ab, wird jedoch mit zunehmendem Alter schwieriger in Form zu bringen. Regelmäßige Rückschnitte in den noch belaubten Bereich verhindern diese Entwicklung wesentlich besser als spätere radikale Verjüngungsversuche.

Kann ein falsch geschnittener Lavendel wieder austreiben?

Das hängt davon ab, wie tief geschnitten wurde und ob an den verbleibenden Trieben noch lebende Austriebspunkte vorhanden sind. Wurde lediglich etwas stärker in einen noch vitalen Bereich geschnitten, kann sich die Pflanze häufig erholen. Nach einem vollständigen Rückschnitt in altes, kahles Holz ist ein neuer Austrieb dagegen unsicher. Deshalb sollte zunächst abgewartet werden, bevor scheinbar kahle Äste voreilig vollständig entfernt werden.

Warum wird Lavendel nach dem Schneiden braun?

Braune Stellen können verschiedene Ursachen haben. Wurde zu tief geschnitten, kann ein betroffener alter Trieb nicht mehr ausreichend austreiben. Ebenso können Frostschäden, Wurzelprobleme oder zu viel Nässe eine Rolle spielen. Entscheidend ist die Verteilung der Verfärbung. Tritt sie unmittelbar an einzelnen sehr tief gekürzten Zweigen auf, liegt ein Schnittschaden nahe. Werden dagegen größere Teile unabhängig von der Schnittführung braun, sollten Standort und Wurzelbereich kontrolliert werden.

Kann Lavendel mit einer Heckenschere geschnitten werden?

Bei größeren, gleichmäßig aufgebauten Lavendelbeständen ist eine scharfe Heckenschere für den Form- und Sommerschnitt geeignet. Voraussetzung ist, dass die Schnittgrenze gut erkennbar ist und nicht versehentlich tief in kahle alte Äste geschnitten wird. Bei stark verholzten Einzelpflanzen bietet eine Gartenschere mehr Kontrolle, weil jeder problematische Trieb separat beurteilt werden kann.

Was tun, wenn Lavendel nach dem Winter völlig trocken aussieht?

Ein trockenes Erscheinungsbild bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Pflanze abgestorben ist. Zunächst sollte auf beginnenden Austrieb gewartet und geprüft werden, welche Zweige tatsächlich noch leben. Einzelne Triebe können vorsichtig kontrolliert werden. Zeigt sich unter der äußeren Schicht vitales Gewebe oder erscheinen neue Knospen, besteht noch Leben. Vollständig trockene und spröde Äste ohne Austriebszeichen können anschließend entfernt werden.

Warum fällt Lavendel in der Mitte auseinander?

Ein auseinanderfallender Lavendel besitzt häufig lange, ältere und bereits stark verholzte Triebe. Das Gewicht des äußeren Laubs und der Blüten zieht diese Äste nach außen, während die Mitte sichtbar wird. Besonders häufig entsteht dieses Erscheinungsbild nach mehreren Jahren ohne ausreichenden Rückschnitt. Bei jungen Pflanzen lässt es sich durch konsequente Formpflege gut verhindern. Bei alten Exemplaren kann eine vollständige Korrektur schwierig sein, weil ein radikales Einkürzen des kahlen Holzes riskant ist.

Können Lavendelzweige nach dem Schnitt weiterverwendet werden?

Gesunde Schnittreste lassen sich je nach Entwicklungsstadium unterschiedlich nutzen. Blütenreiche Triebe können getrocknet werden, sofern sie zum geeigneten Zeitpunkt geerntet wurden. Gesunde junge Triebe eignen sich außerdem grundsätzlich zur vegetativen Vermehrung, wenn passendes Stecklingsmaterial ausgewählt wird. Stark verholzte, kranke oder abgestorbene Pflanzenteile sind dafür ungeeignet.

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